Vegan in Japan

Japan ist ein perfektes Land zum Reisen. Wunderbare Landschaften, viele Inseln, interessante Städte, Tradition und Moderne, und vor allem einfach anders als alle anderen Länder der Erde.

JAPAN – WIE SO OFT GANZ ANDERS

Als Europäer wird euch schnell auffallen, wie gut organisiert alles abläuft. Viele Touristen bereisen Japan mit dem Zug, beispielsweise mit dem JR Pass* (hier ein guter Ratgeber dazu).

ESSEN – ES WIRD KOMPLIZIERT

So einfach und angenehm das Reisen ist, so kompliziert ist es jedoch, sich als Veganer in diesem Land zu bewegen. Wer als solcher schonmal in anderen asiatischen Ländern wie Thailand oder Vietnam unterwegs war, wird schnell merken, dass Japan – wie so oft – ganz anders ist. Plant based ist hier nicht selbstverständlich – vegane Speisen sind mitunter schwer zu finden. Daher ist es unbedingt empfehlenswert, sich  vor der Japanreise gut zu informieren.

Umami statt Sushi!

Die japanische Küche, das mal vorab, ist ziemlich anders als man das von japanischen Restaurants im Westen so kennt. Klar gibt es Sushi, aber das ist bei weitem nicht so präsent wie hierzulande. Wenn wir die japanische Küche mit einem Wort beschreiben müsste, wäre das Umami. Diese würzige Geschmacksrichtung ist dort allgegenwärtig. Großer Teil der japanischen Ernährung sind Suppen, z.B. Ramen. An jeder Ecke findet man günstige Suppenküchen, in denen der Koch direkt vor einem steht und einem quasi die Suppe vor der Nase zubereitet. Meistens mit Nudeln, auch gern mit Fisch, Tofu oder Fleisch. Leider ist hier immer, wirklich immer, Dashi, drin, eine auf Fisch-, Fleisch- oder anderer Meerestierbasis hergestellte, würzige Brühe. Das Meer ist nunmal nirgends in Japan weit entfernt. Suppenküchen und Ramen-Restaurants kann man als Veganer also schonmal traurigerweise abhaken, es sei denn man drückt mal ein Auge zu. Aber das ist bekanntlich nicht jedermanns Sache.

BBQ – EIN ERLEBNIS

Sehr gerne wird in Japan auch Barbecue gegessen, das sogenannte Yakiniku. In Yakiniku-Restaurants sitzt man an einem Tisch, in dessen Mitte sich eine heiße Platte befindet, auf der das vorbereitete Essen angerichtet wird. Auch hier ist meistens Fischpulver in den für diese Spezialität charakteristischen Kraut-Fladen enthalten, aber das Erlebnis sollte man sich nicht entgehen lassen, zumal man hier zumindest vegane Beilagen wie eingelegte Gurken (unbedingt probieren!) oder auch marinierten Tofu bekommt.

KOCHEN – IM HOSTEL

Ein Vorteil ist, wenn man in Hostels untergebracht ist, die über gemeinsam genutzte Küchen verfügen. So geht man kurzerhand in den nächsten Supermarkt, holt sich für ein paar Yen beispielsweise eine Packung Udon– oder Soba-Nudeln und Tofu, brät das ganze kurz an und löscht es mit der besten Sojasoße ab, die man je probiert hat. Oishi! Wer Glück hat, findet sogar wie wir zufällig ein traditionelles Tofu-Geschäft, wo man Sojamilch und Tofu in seinen diversen Ausführungen bekommt – und das hausgemacht!

A apropos Supermarkt

Anders als viele denken, ist Japan nicht wirklich teuer. Etliche Produkte sind sogar um einiges günstiger als hierzulande, aber es gibt natürlich Ausnahmen: So ziemlich alles was frisch ist, also Gemüse, Obst usw., hat tatsächlich hohe Preise. Eine Tomate kann schonmal umgerechnet zwei Euro kosten, ein Apfel sogar noch mehr. Industriell produzierte Waren sind dagegen oft günstig.

Convenience Stores

An jeder Ecke gibt es japanischen Städten sogenannte Convenience Stores, z.B. Seven Eleven oder Lawson. Das sind kleine Supermärkte, die 24 Stunden geöffnet haben und alles bieten was man mal eben so braucht, vom Eis über Bier bis zur Krawatte. Convenience eben. Hier finden auch hungrige Veggies immer was gutes zum Essen. Allen voran die Sushi-ähnlichen Onigiri, große Dreiecke aus Reis, in Nori-Algen eingewickelt und mit verschiedenen Füllungen. Hier gibt’s natürlich wieder Fisch und Fleisch zur Auswahl, aber auch eingelegte Algen oder Pflaumen. Für wenig Geld (ca. 1 Euro) bekommt man hier einen leckeren und gesunden Snack. Auch mit Reis gefüllte Tofu-Taschen lassen sich im Kühlfach finden. Aber Vorsicht: Die zahlreichen Fertigsuppen, z.B. Misosuppe mit Algen und Tofu, sind leider nach meiner Erfahrung nicht vegan, auch wenn es so scheint. Fischpulver, Muschelextrakte o.ä. finden sich leider so gut wie immer auf der Zutatenliste. Dagegen gibt es im regulären Supermarkt sehr wohl veganes Miso, die leckere Umami-Würzpaste, mit der man leckere Suppen zubereiten kann, und die es in verschiedenen Stärken gibt, vom weißen bis zum schwarzen Miso. Die lohnt es sich übrigens, in Massen mit nach Europa zu bringen, denn Sie ist in Japan natürlich deutlich günstiger und einfacher zu bekommen. Sollte das nicht klappen oder eure Miso ist alle, könnt ihr sie natürlich trotzdem auch hierzulande bekommen, – aber Vorsicht: nicht jede Miso ist vegan! Vegane Miso gibt es z.B. bei Amazon*. Wusstet ihr übrigens, dass weißes Miso* das ideale Würzmittel für Pastagerichte mit (Soja-)Sahnesoße ist?

Last exit: Nepal!

Da es uns oft nicht gelang, gute vegane japanische Speisen in Restaurants zu finden, kamen wir mit der Zeit auf den Trichter, dass es auch anders geht: In jeder größeren Stadt gibt es, meist in Bahnhofsnähe, sehr gute nepalesische Restaurants. Dort gibt es Currys und Nan, so wie man das hierzulande von indische Restaurants kennt, nur viel besser! Also, wenn euch die Laune zu kippen droht, einfach zum nächsten Nepali gehen und genießen!

Das Beste zum Schluss

Generell versuche ich, „vegane Restaurants“ eher zu meiden, da nach meiner Erfahrung allein die Tatsache, dass es sich um ein veganes Restaurant handelt, die Leute dorthin zieht, und nicht die Qualität des Essens. Teure Preise und mittelmäßiges Essen sind oftmals die Folge. Es gibt aber natürlich auch Ausnahmen von dieser Regel: An dem letzten Tag unserer Japanreise schauten wir entgegen unserer Gewohnheit bei www.happycow.net nach veganen Restaurants. Dann fuhren wir zum JR-Bahnhof Oeno in Tokio, wo es im Bahnhofsgebäude eine Filiale der kleinen, sympathischen Kette T’s TanTan gibt. Das ist tatsächlich ein rein veganes Ramen-Restaurant, und hier hatten wir nach kurzem Schlange stehen wirklich das beste Essen in drei Woche Japan. Das hat dann manche Enttäuschung wieder wettgemacht. Unbedingte Empfehlung!

FAZIT

Japan hat einige vegane Schmankerl zu bieten, doch man muss wissen wo. Gute Vorbereitung ist das A und O, und wenn die Möglichkeit besteht, selbst Essen zuzubereiten, wird die Japanreise auch plant based zum kulinarischen Erlebnis!