Ich bin ein Kind der Achtziger Jahre. Ein Teenager der Neunziger. Meine erste Musik kaufte ich mir ca. 1992 auf CD, das war, wenn ich mich richtig erinnere, das Album der Pet Shop Boys, auf dem Go West drauf war. Jugendsünden. Mein großer Bruder hatte gerade angefangen, E-Gitarre zu spielen, und natürlich war er Guns’N’Roses-Fan, denn damals gab es nicht viel Auswahl in unserer kleinen provinziellen Stadt: Entweder man mochte G’N’R oder man war auf der anderen Seite der Macht – und war New Kids on the Block-Fan. Dazwischen gab es vielleicht noch Roxette, aber im Prinzip waren das die Pole Anfang der Neunziger. Ich erinnere mich noch, dass mein Bruder sich die Use Your Illusion I auf Vinyl kaufte. Ich erinnere mich nicht nur, sondern ich habe die Platte sogar noch, denn kurz danach wollte niemand mehr, auch mein Bruder nicht, Platten hören und so kaufte er sich die Use Your Illusion II, die blaue, auf CD, und das war’s dann erst mal mit Vinyl, zumindest bis zu einem einschneidenen Erlebnis zum Ende meiner Teenagerjahre hin:

Ende der Neunziger entdeckte ich Hardcore, und in dieser kleinen, aber gut vernetzten Do It Yourself-Szene war zu meiner Überraschung Vinyl noch sehr verbreitet. Auf jedem Konzert gab es Kisten voll 7“-Platten, die man für 5 oder 6 Mark kaufen konnte. LPs kosteten zwischen 12 und 16 Mark. Tolle Zeiten. Es war auf einmal wieder cool, Platten zu hören. Es gab viele kleine Labels, auf der ganzen Welt, es gab farbiges und mehrfarbiges Vinyl, Shape discs, 10“es, sogar 8“es und 5“es und da ich damals auch in einer Band aktiv war, startete ich mit Memento Schallplatten 2002 selbst ein Label. Seither ist die Beliebtheit von Vinyl stetig angestiegen, und mit ihr leider auch die Preise. Für wenige Euros kaufte ich mir so Anfang der Nullerjahre in Plattenläden und bei Ebay meine Sammlung zusammen, von den Beatles über die Ramones zu den Smiths. Das scheint heute nicht mehr mehr möglich zu sein, sowohl gebrauchte als auch neue Platten sind extrem im Preis gestiegen.